Für viele Leute ist Bier und Zigarre eine Kombination, die nicht zusammenpasst. Mir persönlich gefällt sie sehr gut, speziell mit belgischen Bieren oder mit den vielen Craftbieren, die mittlerweile (und erfreulicherweise) überall in Europa (und natürlich auch weltweit) gefunden werden können.

Craftbier wird zwischenzeitlich auch in Deutschland und in der Schweiz immer populärer. In den USA oder Neuseeland hingegen ist es schon länger weit verbreitet. Dort findet man sehr viele Heimbrauer sowie auch kommerzielle Brauereien, die entweder immer noch als Garagen-Projekte arbeiten oder zumindest so begonnen haben. Auf meinem Blog blog.blumentritt.net findet sich beispielsweise ein interessanter Bericht über das Great Kiwi Beer Festival 2014 in Christchurch.

Advertisement

Während meiner Tour durch Belgien im April 2015 habe ich einige Brauereien vor Ort besucht, aber manchmal muss man nicht zwingend in die Ferne schweifen, denn auch in der Nähe finden sich gute Bezugsquellen. Aber bevor ich darauf zurückkomme, hier ein paar Eindrücke aus Belgien:

heat-meat-ch-heiko-craft1heat-meat-ch-heiko-craft2heat-meat-ch-heiko-craft3heat-meat-ch-heiko-craft4

 

 

 

 

 

Wie ich bereits erwähnt habe, manchmal finden sich gute Dinge auch direkt um die Ecke. Die Craftbierszene der Schweiz ist stetig am Wachsen, die Konsumenten kümmern sich wieder mehr um Qualität und Produkte abseits des Mainstreams. Eine der (kleinen) Brauereien, die diese Bedürfnisse befriedigen kann, ist die Bierfactory in Rapperswill. Die Bandbreite der Biere variiert, abhängig von der Jahreszeit und Lagerkapazität. Und bei Spezialabfüllungen sollte man schnell sein, denn diese sind oft blitzartig vergriffen.

heat-meat-ch-heiko-craft5heat-meat-ch-heiko-craft6heat-meat-ch-heiko-craft7heat-meat-ch-heiko-craft8heat-meat-ch-heiko-craft9

 

 

 

 

 

Verrückt klingende Namen wie Old H (Imperial Honey Ale), Vladibier (Russian Imperial Stout), Blackbier (Dry Stout), Absent Swiss Hop IPA (India Pale Ale with Swiss Herbs), XXA (Imperial IPA), Bombastus (India Black Ale), Happy Jack (Pumpkin Ale), Mystery Solved (Double Belgian IPA), Sommer’s (Sour Mash Blond Ale) sind weit verbreitet in der Szene. Auch wenn das alles unbekannt und neu klingt, so kann es für den eingefleischten Lagerbier- oder Pilstrinker durchaus eine interessante Abwechslung bringen. Der Blick über den Tellerrand – oder hier den Glasrand – hat noch nie geschadet…

Vier Fragen an Gabriel Hill

Ich habe Gabriel Hill vom Team der Bierfactory ein paar Fragen zum Thema Craftbier, dem Schweizer Biertrinker und natürlich zur Bierfactory selbst gestellt:

«Wann wurde Bierfactory gegründet und was waren die Beweggründe dafür?»
«Gründer ist Stephen Hart. Er arbeitete bei Hürlimann in Zürich und als der Standort geschlossen wurde gründete er 2000 die Brauerei. 2013 fand eine Umfirmierung statt, wodurch eine Vergrösserung mit Hilfe von neuen Aktien ermöglicht wurde. Seitdem sind wir die Bier Factory Rapperswil AG.»

«Wie viele unterschiedliche Biere habt ihr inzwischen gebraut und welche sind Deine Favoriten?»
«Ich denke 14 oder 15. Meine persönlichen Favoriten ist das XXA India Pale Ale (inzwischen ersetzt durch Oh IPA). Aber auch das Bombastus India Black Ale war eine Überraschung für mich hinsichtlich der Balance zwischen Aromen von geröstetem Malz und Hopfen.»

«Was denkst Du über den „durchschnittlichen Schweizer Biertrinker“. Ist die Schweiz bereit auch einmal etwas abseits vom bekannten Standard zu probieren?»
«Die Leute sind offener geworden gegenüber neuen Bieren und Craftbier im Allgemeinen. Wir erkennen definitiv einen Aufwärtstrend. Viele Leute kontaktieren uns, weil sie gerne mehr von unserem Bier haben möchten. Der Hauptanteil unserer Interessenten sind Männer zwischen 25 und 50 Jahren. Ältere sind meistens mit dem zufrieden, was sie bereits kennen und schauen nicht unbedingt nach neuen Sachen. Den wirklich jungen Leute fehlt im Normalfall das Einkommen, um die Craftbierszene zu erkunden. Andererseits stellen wir fest, dass der Anteil der unter 25-jährigen auch stetig zunimmt. Unser Craftbierfestival, das immer im September stattfindet, bestätigt diese Statistiken ebenfalls. Der Frauenanteil liegt inzwischen bei ca. 30 %.»

«Was macht die Produkte der Bierfactory besonders im Vergleich zu anderen Mitbewerbern?»
«Es gibt eine grosse Anzahl an tollen Brauern in der Schweiz und auch viele, die sehr innovativ sind. Unsere beständige Bierqualität, der innovative Weg in Bezug auf das Branding und neu entwickelte Biere machen uns speziell. Wir scheuen uns auch nicht davor, auch einmal Risiken einzugehen. Das kommt teilweise auch daher, dass wir selbst den Ansporn haben, uns voranzutreiben um interessante und grossartige Biere zu machen. Es liegt aber auch an unserem Hintergrund den wir haben und dem Verständnis für den sich stetig entwickelnden Markt. Wir versuchen, so gut es eben geht, am Puls der Zeit zu sein!»

heat-meat-ch-heiko-craft11heat-meat-ch-heiko-craft12heat-meat-ch-heiko-craft15

 

 

 

 

 

Das Craftbier Festival in Rapperswil habe ich 2014 und 2015 besucht (2016 fiel aus organisatorischen Gründen leider aus) und seitdem bin ich in regelmässigem Kontakt mit den Leuten der Bierfactory. So wurden mir auch diverse Biere zur Verfügung gestellt, um diese zusammen mit verschiedenen Zigarren zu verkosten. Vielen Dank an dieser Stelle!

heat-meat-ch-heiko-craft17heat-meat-ch-heiko-craft18

 

 

 

 

 

Der Ablauf für die Verkostungen war immer gleich. Da ich die Zigarren gut kenne, habe ich zuerst ein Bier ohne Zigarre probiert und mir dabei Gedanken darüber gemacht, welche Zigarre passen könnte. Anschliessend wurden dann Bier und Zigarre für die Verkostung kombiniert.

Vladibier Russian Imperial Stout und Bolivar Petit Coronas von 1998

heat-meat-ch-heiko-craft20heat-meat-ch-heiko-craft21

Geröstetes Malz, Kaffee, ein Hauch angenehmer Honigsüsse und Rauch. Die hopfige Bitterkeit mit einer Prise Citrus ist sehr überraschend, denn solche Biere sind üblicherweise immer relativ süss.

Das ist eine tolle Kombination… die erdigen Noten und Citrusaromen der Zigarre passen perfekt zur malzigen Süsse und der unglaublichen Vollmundigkeit dieses Russian Imperial Stout. Die Zitrusnoten der Zigarre passen hervorragend zu den Hopfen- (und Citrus-Noten des Biers. Kaffee und Süsse des Biers bilden einen guten Gegenpart zur Erdigkeit und der ansteigenden Stärke der Zigarre. Das Bier lässt sich sehr gut währendder Rauchdauer von ca. 60 Minuten geniessen.

Absent Swiss Hop IPA und El Rey Del Mundo Gran Coronas von 1999

heat-meat-ch-heiko-craft22heat-meat-ch-heiko-craft23

Das Bier hat eine tolle Balance zwischen Hopfen und Kräutern. Nicht zu hopfig, so dass alles andere überdeckt wird, aber trotzdem kräftig genug, damit es mit einer aromatischen Zigarre mithalten kann.

Die Kräuter und der Hopfen des Bieres auf der einen, die blumigen Aromen der Zigarre auf der anderen Seite, eine perfekte Kombination. Die Aromen verstärken sich gegenseitig und intensivieren das Geschmackserlebnis. Die Rauchdauer betrug ca. 95 Minuten.

Old H Imperial Honey Ale und Sancho Panza Belicosos Finos von 2002

heat-meat-ch-heiko-craft24heat-meat-ch-heiko-craft25

Malz, etwas Süsse und Hopfen sind die offensichtlichen Aromen in der Nase, nicht zu süss und gut ausbalanciert mit dem Hopfen. Auch im Mund präsentiert sich eine gute Balance zwischen hopfigen Bitternoten, Kräuter, einer angenehmen Fruchtigkeit und etwas Honigsüsse. Das Wechselspiel dieser Aromen macht das ganze zu einem leckeren Genuss.

Die Honigsüsse des Bieres auf der einen und die typische Salzigkeit der Zigarre auf der anderen Seite: was für eine tolle Kombination und Interaktion dieser grundlegenden Geschmacksrichtungen. Ein Wechselspiel zwischen Salzigkeit und Süsse, einfach und lecker. Die Kombination bringt beides auf ein höheres Level. Während die vorherigen Paarungen sich eher ergänzt haben, lebt diese von den gegensätzlichen Aromen und das Ergebnis ist einfach nur toll! Die Rauchdauer betrug ca. 95 Minuten.

Blackbier Dry Stout und Partagas 898 (unlackierte Kiste) von 1999

heat-meat-ch-heiko-craft26heat-meat-ch-heiko-craft27

Ein sehr verhaltener Geruch von Schokolade, Kaffee und Malz. Der Geschmack bringt dunkle Schokolade (ohne Süsse) und Malzigkeit. Eine leichte Bitterkeit, die perfekt mit den übrigen Aromen harmoniert. Sehr weich mit einem trockenen Abgang. Die neueste Abfüllung der Blackbier wurde noch etwas optimiert, ist weniger trocken, vollmundiger und länger im Abgang, definitiv nochmal weiter verbessert.

Schokolade-, Kaffee- und Malznoten im Bier, Erdigkeit und Leder bei der Zigarre. Auch hier in der Kombination ergibt sich wieder eine Intensivierung der verschiedenen Aromen für eine Rauchdauer von ca. 90 Minuten.

Sommer’s Sour Mash Blond Ale und Romeo y Julieta Cazadores von 1996

heat-meat-ch-heiko-craft28heat-meat-ch-heiko-craft29

Als ich vor Ort war, um etwas Bier zu kaufen und mich mit Gabriel darüber unterhalten habe, verschiedene Biere in Kombination mit Zigarren zu testen, war er recht schnell der Meinung, dass dieses Bier wahrscheinlich sehr schwierig sein würde, um es mit einer Zigrre zu kombinieren. Als ich es dann probiert habe, war es für mich sehr offensichtlich, dass es sehr wohl zu einer Zigarre passen könnte und es ist definitiv ein kräftiger Partner notwendig.

Aber zuerst zum Bier selbst: fruchtige Hopfigkeit mit etwas Malz in der Nase. Prickelnd am Gaumen, dezente Bitternoten mit einer ordentlich Ladung tropischer Früchte, Grapefruit. Sehr erfrischend und durstlöschend, ein tolles Sommerbier.

Ich war mir sehr sicher, dass diese Kombination gut werden würde, aber das Ergebnis hat meine Erwartungen sogar übertroffen. Die Kombination war nicht nur gut sondern perfekt. Die Zigarre war sehr kräftig, obwohl sie immerhin auch schon zwanzig Jahre als ist, und hatte intensive erdige und ledrige Aromen, eine klassische Cazadores, wie man sie sich vorstellt. Die Balance zwischen den sauren und erfrischenden Aromen des Bieres mit dem kräftigen Geschmacksprofil der Zigarre machen es zu einer meiner Lieblingskombinationen, speziell für den Sommer. Vielleicht nicht gerade am Morgen, aber perfekt nach einem guten Abendessen. Denn die Zigarre braucht definitiv eine gute Basis, sonst haut sie einen echt aus den Schuhen! Die Rauchdauer betrug 85 Minuten.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte auf Facebook.

 

Advertisement

VERFASSE EINEN KOMMENTAR

Bitte gib deinen Kommentar hier ein!
Bitte gib deinen Namen hier ein